Samuel Stucki

In Verbindung bleiben-jetzt erst recht!

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Am 7. März führte unsere Kirchgemeinde eine Retraite durch unter dem Titel: In Verbindung bleiben.
Samuel Stucki,
An der Tagung in Aeschi nahmen über 50 engagierte Mitarbeiterinnen und Ehrenamtliche unserer Kirchgemeinde teil.

Die Corona-Krise war an diesem Tag am Horizont schon erkennbar. Auf diesem Hintergrund habe ich folgende Einleitung gehalten, basierend auf einem Lied von Mani Matter: Mir hei e Verein.







Drei Facetten meiner Kirche:


Was ist die Kirche für mich? Welches Verhältnis habe ich zu ihr?
Drei Facetten möchte ich Ihnen mitgeben.
Ich kann dies am besten zeigen mit einem Lied von Mani Matter:
Mir hei e Verein.

Erste Facette:
«Und de gsehn i de settig, die ghöre derzue
Und hei doch mit mir im Grund gno nüt z'tue
Und anderi won i doch piess derzue
Ghöre nid derzue»

Die Kirche, ein Verein, eine Gemeinschaft.
Ich komme mit sehr unterschiedlichen Menschen zusammen.
Verschiedene Generationen. Nationen. Status.
Kirche will mit allen in Verbindung bleiben.
Die reformierte Landeskirche zeichnet sich dadurch aus:
ihr Dach ist weit. Vielfalt gross.
Und dann machen wir die Erfahrung: ich organisiere etwas.
Einen Anlass, ein Konzert.
Ich habe eine besonders gute Predigt formuliert.
Vor dem geistigen Auge sehe ich sie schon vor mir, alle die,
für die ich diesen Aufwand betreibe.
Und dann muss ich oft ernüchtert feststellen:
die, die ich erwartet habe, die, die zu mir passen würden, sind gar nicht da.
Dafür sind andere da, mit denen ich sonst nie zusammen sein würde,
geschweige denn zusammenarbeiten würde.

Zweite Facette:
«Und i wirde verläge, sta nümm rächt derzue
Und dänken: O blaset mir doch i d'Schue
Und gibe nume ganz ungärn zue:
Ja i ghöre derzue»

Ich arbeite in der Kirche, und mache oft die Erfahrung:
kirchliche Strukturen sind sehr schwerfällig.
Prozesse gehen sehr langsam vor sich: finanzielle Entscheidungen,
personelle Weichenstellungen. Dringende Entscheide werden nicht gefällt.
Oder: ich werde übergangen.
Andere, die näher an den Hebeln der Macht sind,
entschieden ohne Rücksprachen – stossen andere vor den Kopf.
Da kommt manchmal das Gefühl hoch: «plaset mir doch i d Schue!»

Dritte Facette:
«Mir hei e Verein, i ghöre derzue
Und d'Lüt säge: Lue dä ghört o derzue
Und mängisch ghören i würklech derzue
Und i sta derzue.»

Kirche ist für mich auch dies: das Miteinander.
Ich werde durch andere inspiriert und bereichert.
Ich schätze die Vielfalt.
Ich schätze die Chance, Eigenes einbringen zu können.
Die Möglichkeit, Menschen begleiten zu können.
Menschen nahe sein zu können in Zeiten, in denen sie der Lebensschuh drückt.
Ich schätze es: Zeit zu haben, mich Menschen zuwenden zu können
und ihnen zuzuhören. Ohne zu urteilen.
Zu spüren: Da gibt es ein Fundament, das trägt. Eines, das über diesem
Verein und seinen Strukturen steht.
Ein Boden, auf dem sich sicher stehen lässt.

Kirche ist für mich:
Wenn ich spüre: ich bin mit den anderen Menschen auf der Arche des Lebens.
Rund herum tobt das wilde Wasser, die Flut.
Und ich kann den Menschen helfen. Mit ihnen in der Not die Hoffnung
nicht verlieren,
Sondern: den Olivenbaumzweig holen zu gehen.
und: den Regenbogen zu zeigen.
Das ist die Mitte, der Grund,
warum es diesen «Verein» Kirche gibt:
Wir suchen miteinander den grünen Hoffnungszweig.
Wenn ich Kirche so erlebe,
dann: «gehöre ni würcklech derzue, und i stah derzue.»

Ich wünsche allen ein gutes: in Verbindung bleiben.
Ein gutes Zueinander stehen.

Samuel Stucki, Pfr.

Bereitgestellt: 23.03.2020     Besuche: 84 Monat 
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