Andrea Ziegler

Konfirmation 2020 Derendingen

Konfirmanden 2020 <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Andrea&nbsp;Ziegler)</span><div class='url' style='display:none;'>/kg/derendingen/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-wasseramt.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>25</div><div class='bid' style='display:none;'>2674</div><div class='usr' style='display:none;'>23</div>

Am 12. September konnten wir endlich die Konfirmation von 13 Jugendlichen in Derendingen feiern.
Samuel Stucki,
Die Konfirmandinnen und Konfirmanden:

Sarah Baumann; Ainoa Fehr; Michelle Neff; Leonie Schneider; Melinda Schneider; Gaia Zaugg
Jamie Dagostino; Niklas Elsener; Janis Haefeli; Manuel Kolly; Sven Lauckner; Dario Seiler; Tim Stampfli


Fünf An-gebote
Konfpredigt 2020

Liebe Derendingerinnen, liebe Derendinger

Sie hängen überall. Die neuen Gebote. Mal blau unterlegt, mal rot, mal orange: die Coronagebote. Sie machen uns nicht nur darauf aufmerksam, wie wir zu unserer Gesundheit Sorge tragen können. Sie sind für mich auch eine Anstoss zum Nachdenken. Denn die Coronagebote betreffen Themen, die für das menschliche Leben insgesamt zentral und wegweisend sind.
Wie wäre es, wenn wir die Coronagebote für einmal ganz anders umsetzen würden. So als würde der Wert des menschlichen Lebens und die Gesundheit entschieden in der Art, wie wir mit bestehenden Verhältnissen umgehen. In der Art, wie wir mit uns und unseren Nächsten in Bezug stehen. Die Gebote wären dann nicht einfach eine Aufgabe, die man tun muss, sondern eine Einladung zu mehr Menschlichkeit, im Angesicht Gottes. Es wären dann nicht Gebote, sondern An-gebote.


1. Gedanken desinfizieren
Wir desinfizieren im Tag mehrmals die Hände. Das tun wir so, damit wir uns nicht anstecken, damit wir gesund bleiben. In Zeiten wie in diesen ist es jedoch wichtig, dass wir tiefer gehen; dass wir sauber und klar bleiben auch in unseren Gedanken. Warum nicht täglich einmal die Gedanken von schädlichen Gedankenviren befreien, wie Missgunst, Groll, und Oberflächlichkeit?
Gedanken desinfizieren würde dann bedeuten: dass wir uns nicht dauernd selber verletzen, mit schlechten Gedanken und mit negativen Urteilen über die Welt, oder über uns. Gedanken desinfizieren würde dann heissen: sich selber beobachten, zu sich und zu seinem Leben stehen, so wie es jetzt und heute – in sich in diesem Augenblick zeigt.

2. Auf Symptome der Seele achten
Die Coronaregel besagt, bei Symptomen den Arzt aufzusuchen. Hier, im Körperlichen ist es uns klar. Warum ist es uns nicht klar, dass wir auch unsere Seele pflegen sollten? Dass wir auch auf ihre Symptome achten sollten.
Die Seele meldet sich zuerst ganz leise. Wenn der seelische Druck ansteigt, dann wird dies messbar im Druck, wie das Blut durch unsere Adern gepumpt wird. Wenn die Seele nicht mehr abschalten kann, beginnt sie auch in der Nacht ihre oft unheilvollen Schlaufen zu drehen. Die Seele verfügt über viele Wege uns zu zeigen, dass sie Beachtung und Pflege braucht.
Achten wir auf ihre Zeichen, und sorgen wir nicht bloss für den Körper, sondern auch für die Seele.


3. Neue Nähe ermöglichen
Abstand: 1, 5 Meter, so das Coronagebot. Halten wir diesen Abstand ein, und suchen wir auf andere Weise, den Mitmenschen nahe zu sein, mit einer kleinen Aufmerksamkeit. Das kann ein Brief sein, ein Anruf. Ein kleines Zeichen, entsprungen aus echtem Interesse, schafft Nähe.
Zuhören und Mitgefühl schaffen Nähe.
Dankbarkeit schafft Nähe.
Wir Menschen leben aus Begegnungen. Sie machen das Leben lebendig und farbig.


4. Von innen nach außen leben
In größeren Menschenmengen müssen wir eine Maske tragen.
Damit schützen wir andere vor einer Ansteckung, sollten wir Träger des Virus sein. Gleichzeitig können wir uns schützen vor Viren in unserer nahen Umgebung.
Der Mundschutz erinnert mich daran: wir Menschen leben nicht von dem,
was von außen auf uns zukommt. Was von außen kommt, kann uns anstecken, verletzen, kränken. Es nährt uns nicht im Inneren. Wir Menschen leben aus dem, was in uns ist.
Was in uns entsteht: als Kraft und Hoffnung, das Leben zu meistern. Als neue Einsicht, die unseren Horizont weitet, und unsere seelischen Wurzeln in der Tiefe wachsen lässt.
Mundschutz auf bedeutet: Du sollst darauf achten, von innen nach außen zu leben.

5. Wer inspiriert mich?
Die Swiss-covit-App auf dem Smartphone registriert, wer in meiner Nähe ist, mit wem ich zusammen bin. Falls eine Person davon das Virus hat, werde ich kontaktiert, und ich kann mich testen lassen. Kurz: es geht darum: mit wem war ich zusammen?
Was diese App für uns erledigt, das können wir auch selber machen. Am Abend sich nochmals einen Moment Zeit nehmen, und sich alle Menschen vergegenwärtigen, mit denen man zusammen gewesen ist. An machen Tagen sind dies viele, manchmal nur ein par wenige.
Wenn ich so all abentlich Rückschau halte, dann geht es nicht darum: wer hat mich infiziert, sondern: wer hat mich inspiriert? Wer von all den Menschen, die meinen Lebensweg kreuzten, hat mich beeindruckt? Wer berührt? Was möchte ich in meinem Leben aus dieser Begegnung mitnehmen? Wen möchte ich wieder einmal sehen? Wen möchte ich sogar segnen, und in meine Gebete einbeziehen?
Wenn ich so meine Kontakte nochmals im Herzen durchgehe, dann betreibe ich Contact-tracing für die Seele.

Liebe Derendingerinnen, liebe Derendinger.
Wir erleben gerade, wie fragil unser Leben ist. Ein Virus, von bloßem Auge nicht sichtbar, kann die ganze Menschheit in Aufruhr bringen. Wir Menschen sind ein Teil dieser Schöpfung, die aus den Fugen zu geraten droht.
Die Coronagebote von innen verstanden sind An-gebote. Sie erinnern uns daran, die Schöpfung und das Leben zu bewahren und schützen.
Stärkung der seelischen Kräfte und des Immunsystems sind garantiert.


Derendingen, den 18. Oktober 2020,


Pfr. Samuel Stucki.

Bereitgestellt: 21.10.2020     Besuche: 80 Monat 
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