Samuel Stucki

Pfingstpredigt 2026

Löwenzahn (Foto: Samuel Stucki)

Weiter Himmel-Weiter Geist:
Die Pfingstpredigt von Pfr. Samuel Stucki
Samuel Stucki,




Predigt: Weiter Himmel – weiter Geist
Liebe Pfingstgemeinde

Denn ich habe euch nicht gegeben einen Geist der Angst,
sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. 2 Tim 1, 7

Wer von Euch hat ein wenig Hunger?
Knurrt der Magen schon ein wenig?


Wenn wir Hunger haben, dann meldet sich unser Körper.
Er tut dies mit Knurren!
Wir haben viele Möglichkeiten, diesen
Hunger des Körpers zu stillen.
Kühlschrank oder Brotlaube auf: Problem gelöst.

Wir haben auch eine Seele.
Wie meldet diese sich, wenn sie Hunger hat?
Wenn ihr etwas fehlt?

Die Seele meldet sich mit Tränen.
Wenn uns ein Mensch fehlt, den wir nicht mehr
an unserer Seite haben.
Wenn es uns an Nähe fehlt.
Ein Ohr, das zuhört, lindert den Schmerz.
Tränen, sie sind das Grundwasser der Seele.

Körper – Seele. Und der Geist?

Wie meldet der sich?
Wenn er hungrig ist, ihm etwas fehlt, wenn er Angst hat?
Der Geist kann auch knurren und murren.
Doch wie?
Er zeigt dies durch:
Unzufrieden sein.
Sich mit anderen vergleichen.
Dauernd gestresst sein.
Aggressiv werden.
Sich müde fühlen.
Keine Hoffnung haben.

Körper, Seele, Geist.
Alle drei Teile von uns haben ihre eigene Art uns zu sagen:
Es fehlt etwas.
Schau mal hin.

Es kommt darauf an, diesen Hunger richtig zu stillen.
Wenn der Magen knurrt ist es gut, etwas zu essen, oder zu trinken.
Doch: Wenn die Seele, oder der Geist knurren:
dann ist der Gang zum Kühlschrank nicht der sinnvolle Weg.

Sind wir eigentlich achtsam für unseren Geist?
Wie wichtig ist uns unser Geist?
Ich wollte es genau wissen.
Wieviel Zeit widmen wir unserem Geist?
Wieviel Geld?

Das Resultat:
Am meisten Geld geben wir aus für den Körper:
Gesundheit, Körperpflege,
Fitnessstudios, Arzt, Spitäler.
Mehr als 12% unseres Lohns.

Und für den Geist?
Da gibt es zwar in der Schweiz am meisten Räume:
Kirchen, Kapellen, Meditationshäuser…aber:
Wir geben für den Geist 40 mal weniger Geld aus.

Bei der Verwendung der Zeit ist es noch deutlicher:
6 Stunden Freizeit wird hauptsächlich vor dem Bildschirm verbracht.
1-3 Minuten haben Herr und Frau Schweizer für das Gebet übrig, pro Tag.

Was, liebe Gemeinde, glaubt ihr: welches Fest ist das Wichtigste?
Welches christliche Fest, im Verlauf des Jahres?

Weihnachten?
Karfreitag?
Ostern?

Nein.
Das wichtigste Fest der Christenheit - mit Abstand, ist Pfingsten!

Pfingsten: Der Geist Gottes wird ausgegossen.
Das ist das Fest der Be-geisterung.
Pfingsten erinnert daran, dass wir uns nicht von Angst leiten lassen müssen,
sondern dass wir uns berühren und erfüllen lassen dürfen vom
Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.
Pfingsten heisst: Ich lasse mich neu beleben.
In Pfingsten liegt die Antwort auf die Frage: was hilft mir,
wenn der Geist knurrt und hungrig ist.

Pfingsten ist darum kein blosser Tag in der Agenda.
Kein Termin.
Pfingsten ist jeden Tag. Jeder Atemzug.
Pfingsten, da geht es ums Ganze.
Da kommt es ans Tageslicht, was Glaube ist;
„Wes Geistes Kind ich bin“.
Lebe ich aus Angst?
Oder lebe ich aus dem Geist
der Kraft, der Liebe und Besonnenheit?
Pfingsten heisst:
Den Geist in uns zur Ruhe kommen lassen. Hinsehen. Bewusst werden.
Den Geist in mir pflegen.
Pfingsten fragt mich: kann ich den Geist Gottes
in mich aufnehmen,
und so satt werden?
Von innen.
Das braucht unser ganzes Vertrauen.
Wir dürfen mit Jesus beten:
„Vater, in deine Hände begebe ich meinen Geist.“

Ohne das pfingstliche Update ist unser Geist ein Geist der Angst.
Mit Update: der Kraft, der Liebe und Besonnenheit.
Das gilt im Kleinen, und auch im Großen.

Liebe Gemeinde
Triggerwarnung: jetzt wird die Predigt kurz politisch.
Die Situation auf der Welt, die Krisen:
Es macht uns Angst. Es ist unübersichtlich geworden.
Es herrscht ein Chaos. Der Weltgeist knurrt an allen Ecken und Enden.
Die Entscheidungsträger meinen immer noch,
man könne dieses Chaos mit Angst überwinden.
Der Geist der Welt ist am Knurren.
Es herrscht noch die Meinung, dieses Knurren
mit äußeren Mitteln zu bekämpfen: Waffen, Drohungen, Aggression.
All das dreht die Schraube des Un-geistes nur weiter,
ins Zerstörerische.
Waffen produzieren, wenn es am Geist mangelt,
um die Angst zu vertreiben,
das ist wie: Wenn ich esse, wenn mein Geist knurrt.
Das gibt nur eine Magenverstimmung und es wird einem schlecht.

Kürzlich fragte mich jemand:
Ja, Samuel. Wieso fühlt sich alles so chaotisch an? In der Welt?
Wenn mir eine solche Frage gestellt wird, dann gehe ich nicht ins Büro,
sondern in mein überdimensioniertes Studierzimmer:
die Natur, die Schöpfung.
Hier kommen mir die Antworten entgegen:
Ich mag es, ein Löwenzahnfeld zu sehen:
Einige Pflanzen sind noch ganz jung.
Einige Blühen in wunderbarem Gelb.
Einige haben schon die Fallschirmkugel.
So ist es in der Welt.
Menschen handeln mit ganz unterschiedlichen Stadien ihres Bewusstseins.
Einige handeln noch aus Angst.
Andere versuchen sich schon im Geist Gottes:
In Kraft, in Liebe, in Besonnenheit.
Weil die Menschen unterschiedlich geistig bewusst sind:
Darum fühlt sich alles so chaotisch an, es ist ein Durcheinander
verschiedener Sprachen; wie gehört in der Pfingstgeschichte.
In der Natur, auf einer Wiese, ist das Nebeneinander wunderschön.

Liebe Pfingstgottesdienstgemeinde
Körper. Seele und Geist.
Vor 2000 Jahren ist das Christentum zu den Menschen gekommen.
Es verzauberte die Welt, mit dem
Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Der Geist Gottes:
Er will in uns wehen.
Er weckt uns.
Er wirbelt uns durch.
Manchmal brennt er.
Manchmal tröstet er.

Alles, was wir durch ihn erfahren, können wir,
wie Maria, in unseren Herzen bewegen.
Die Kirche braucht Follower, die sich begeistern und bewegen lassen.
Entdecken wir neu die Kraft des Christentums.
Seine Kraft, die Welt und die Menschen zu verzaubern.
Pfingsten heisst: Weiter Himmel-Weiter Geist.

Gott spricht: Denn ich weiss wohl, was für einen Geist
ich für euch habe –
einen Geist des Friedens, nicht des Leides,
dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.
Jeremia 29, 11.
Amen

Abschluss und Sendung:
Kirche ist da für alle, die mit großem Vertrauen unter ihr Dach kommen.
Kirche: der Ort, wo Menschen ihr menschliches Potential entfalten können
und gleichzeitig der Geist der Freiheit weht.
Genießen wir unser Zusammensein.

Es gilt das gesprochene Wort.

Derendingen, am Pfingsttag 2026.
Pfr Samuel Stucki
Bereitgestellt: 24.05.2026      
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