Carlos Ferrer

Geschmacklos

Süsser Genuss (Foto: David Jufer)

Über Geschmack lässt sich sehr wohl streiten, denn das sind noch die vermeintlich harmlosesten Streitereien, die es gibt. Was es dabei nicht gibt, ist ein Schlusspunkt, der allen passt! Folgende Slam-Predigt bringt es auf den Punkt: Geschmacklos oder nicht, es geht um das Ganze. Was geht unbedingt durch den Magen und zergeht auf der Zunge?

Und warum ist es so?

Carlos Ferrer,
Gott, Brokkoli und Schokolade

Ich esse alles.
Bin Omnivor.
Vom lieben Gott bekam ich Zähne,
die für alles gut sind,
solange alles in Massen gehalten wird:

Fleisch und Fisch
Bambussprösslinge und Beeren
Bananen, Baumnüsse, Bataviasalat,
gelegentliche Mücken, die mir beim Velofahren in den Mund fliegen
wenn ich Veganer wäre,
würde ich beim schlucken der Mücken
zum Fleischesser?).

Den lieben Brokkoli ... schlucke ich lieber nicht.

Ich esse (fast) alles:
Leber und Lebkuchen
Lakritze (besonders wenn sie aus Dänemark kommen)
Haribo macht Kinder froh
und Schnapspralinen ebenso,
wenn sie von Ferrero stammen ...
(huch, da hab ich das mit den Werbesprüchen etwas verwechselt ...)

Kirschen und Pfirsiche im Sommer,
Kastanien und Glühwein im Winter,
Trauben, Nüsse und Wildbret im Herbst.
Baccalao und Boujoulais nouveau im Frühjahr!

Brokkoli, ausnahmsweise nur roh im Salat.

Ich geniesse:
KAFFEE am Morgen
und Kakao gegen Abend
(aber nicht die von Nestlé!

Darf man das überhaupt hier in der Schweiz,
Nestlé bewusst meiden?)

Brokkoli, den hübschen, lieber nicht.

Aber wenn's sein muss,
dann kurz angebraten, al dente,
(wie die Leber und die Pasta),
sonst kannst du mich mit ihm jagen.

Man sagt, der liebe Gott mache keine Fehler.
Ich habe aber gehört,
von zuverlässiger Quelle,
dass er die Schokolade schuf,
um sich für den Brokkoli zu entschuldigen.

Die Kakaobohne gehört zu den Supernahrungsmitteln,
sagt mir das Internet (und das lügt ja nie).
Sei sie roh, geröstet oder gerieben,
mit Milch oder Zucker ...

(beides zusammen,
Kinderschokolade, viel Milch, wenig Kakao),

... zu Kuchen gebacken
oder (wie die Azteken und Maya's machten)
als xocoatl mit Chilipfeffer genossen..

Man vergesse nicht die heute üblichen
Riegel oder Schokobonbons
und Häagen Dazs' dunkles Schokoladeneis.

Wollen wir den Tod durch Schokolade?
Man backe Pfannkuchen mit Kakaopulver im Teig gerührt,
bestreiche sie mit etwas Himbeerekonfi
(Nutella wäre zuviel des Guten)
fülle sie mit warmen Schokoladepudding
und mit geriebene Schokolade untermengter Schlagsahne,
schliesse sie und ...
... beträufe sie mit Mozart's dunklem Schokoladelikör.

Natürlich wird warme Schokolade dazu getrunken

(Kein Tod ist süsser, oder gewisser).

Wir wissen,
Brot und Wein ist Sakrament,
zur Vergebung unserer Sünden.
Für Gottes Fehler ... ja, ihr wisst schon,
Schokolade.

Somit ist mir klar,
als Hobbykoch
als Genussmensch
als Bibelleser
und als ewig-leiblich Geistlicher
Lehrer und Pfarrer,
Ehemann und Vater:

Die Kakaobohne ist Hinwendung und Fürsorge
Trost und Gaumenfreude,
Symbol der Liebe und Geschenk für alle Gelegenheiten.

Sie ist das Wunder unter den Geschöpfen
und sogar die schönen Blumen,
einmal gepflückt und in Sträusse gebündelt,
reichen nur so weit,
um wieder gut zu machen,
was einmal kaputt ging.

Man sagt:
Liebe geht durch den Magen
Vergebung durch das Herz.

Und Gottes Gnade
reimt mit Schokolade,
die milde auf der Zunge schmilzt.

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Die Predigt wurde von Christina Brudereck's » Ballade Auf die Schokolade inspiriert.
Bereitgestellt: 27.06.2021     Besuche: 65 Monat 
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