Martin Joss

Das Pfingstereignis

Das Pfingstereignis: 2,1–42
21 Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort.2 Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.3 Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.4 Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.5 In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.6 Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.7 Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?8 Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:9 Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien, von Pontus und der Provinz Asien,10 von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Kyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten,11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber - wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.12 Alle gerieten außer sich und waren ratlos. Die einen sagten zueinander: Was hat das zu bedeuten?13 Andere aber spotteten: Sie sind vom süßen Wein betrunken.
14 Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: Ihr Juden und alle Bewohner von Jerusalem! Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte!15 Diese Männer sind nicht betrunken, wie ihr meint; es ist ja erst die dritte Stunde am Tag;16 sondern jetzt geschieht, was durch den Propheten Joël gesagt worden ist….22 Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, einen Mann, den Gott vor euch beglaubigt hat durch Machttaten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst -23 ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht.24 Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt; denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde…36 Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.
37 Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?38 Petrus antwortete ihnen: Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.39 Denn euch und euren Kindern gilt die Verheißung und all denen in der Ferne, die der Herr, unser Gott, herbeirufen wird.40 Mit noch vielen anderen Worten beschwor und ermahnte er sie: Lasst euch retten aus diesem verdorbenen Geschlecht!41 Die nun, die sein Wort annahmen, ließen sich taufen. An diesem Tag wurden ihrer Gemeinschaft etwa dreitausend Menschen hinzugefügt.42 Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten.
Gedanken zur aktuellen Situation
Das Pfngstereignis ist wie ein Höhe- und Schlusspunkt des Geschehens, das an Karfreitag und Ostern seinen Anfang nimmt. Auch wir sind an einem ‘Schlusspunkt’ angekommen. Ich behaupte mal, dass wir die Corona-Krise (grösstenteils) überwunden haben. Es finden auch endlich wieder Gottesdienste statt. Doch was sind die Folgen des Ganzen?
Gehen wir nochmals zurück; während mehrerer Wochen wurde unser Leben auf den Kopf gestellt. Wir wurden gebeten zu Hause zu bleiben. Arbeit, Schule, Freundeskreis – alles wurde ‘eingefroren’. Das Schock sass tief. Wie können wir uns davon wieder befreien? Frei werden für das tägliche Leben?
Ich behaupte, dass das Pfingstereignis uns genau diesen neuen Weg zeigt: die Ausgiessung des Heiligen Geistes. Der göttliche Geist weht bekanntlich, wo er will… er lässt sich nicht her befehlen, aber erbitten. Wir spüren ihn, wenn uns warm ums Herz ist; wir ahnen ihn im Frieden, im Wohlwollen, im Vertrauen, in der Freiheit untereinander. Und wir vermissen ihn im Streit, in der Angst, in der Ablehnung, im Misstrauen, in allen Machtzwängen. Diese Kraft aus der Höhe ist ein Erkenntnis-Licht, eine flammende Begeisterung, ein feuriger Mut, eine zündende Idee, ein Geistes-Blitz, das Brennen nach, das Feuer und Flamme sein für etwas.
Diese heilige Geist-Kraft stärkt unsere Seelenkraft. Die setzt sich zusammen aus unserem Wollen, Fühlen und Denken. Die Hindernisse im Wollen sind unsere Ängste. Getrauen wir uns noch ohne 2 m Abstand auf andere Menschen zuzugehen? Vertrauen wir noch in die schöpferischen Kräfte des Geistigen oder nur noch der Wissensmacht der Experten? Dazu braucht es Mut. Mut ist eine Willens-Kraft. Beim Fühlen gibt es niedere und höhere Gefühle. Die niederen Gefühle sind alle Bad News, die Sensationen über den Horror von überfüllten Krankenhäusern und langen Sargreihen. Hohe Gefühle leben in der Seele, wenn Wahrheit gesucht wird, wenn sie Liebe empfindet, Schönes erlebt. Auch im Denken stossen wir auf Widerstände, sei es Besserwisserei, Widerspruch oder Zweifel. Oder schlichtweg die Leugnung von allem Geistigen. Ist eine geistige Erfahrung nur ein Defekt des Hirns oder sind die alle ‘betrunken’? Ein Mittel dagegen ist, wie beim Wollen und Fühlen, nicht im Äusseren zu suchen. Wenn wir unsere Seele beruhigen, statt sie ständig Reizen der Umgebung auszusetzen, wer übt, die Welt achtsam wahrzunehmen, Gedanken sorgfältig zu führen, dessen Denken klärt sich, wird lebendig.
Die Pfingstbotschaft gibt so uns allen etwas in die Hand oder ins Herz, womit wir frei werden können. Frei von Furcht, frei von Hass und Spott, frei von Zweifel an der Wirklichkeit des Geistigen.
So werden wir wieder lebendig!

Mit diesem letzten Bild verabschieden wir uns. Wir wünschen allen be-geist-ernde Pfingsten:
Susan Weber, Erzsébet Sommer, Ruth Schenker, Doris Büttker, Martin Joss (Fotos)
Bereitgestellt: 30.05.2020     
aktualisiert mit kirchenweb.ch