Das Leben siegt
Manchmal werden von einer Sekunde auf die andere die Weichen im Leben anders gestellt: Ein Sturz mit damit einhergehenden Verletzungen zwingt oft, das Leben für Wochen und Monate, manchmal auch für Jahre oder für immer anders zu gestalten, als es ursprünglich geplant gewesen wäre. Wenn Pläne umgestellt und angepasst werden, muss auch die Haltung eine andere werden, denn Widerstand gegen Unwiederbringliches ist zwecklos, oder nicht?
Dorothea Neubert,
Ein Perspektivenwechsel hilft, die eigene Haltung zu überdenken und neue Impulse für die Gestaltung des eigenen Lebens aufzunehmen und auch umzusetzen. Den Klassiker erlebe ich jeweils in den Verhaltensvorschlägen für die älter werdenden Eltern: Wir Kinder wissen doch oft genau, was für unsere Eltern besser wäre, welche Unterstützungen nötig seien, was «halt nicht mehr geht und Du deswegen liegen lassen musst»….
Fehlt den Eltern der Blick von aussen auf ihre nachlassenden Fähigkeiten, oder fehlt uns Kindern der Blick von innen auf die Wünsche und Bedürfnisse unserer Eltern?
Eine Umplanung und einen Perspektivenwechsel forderte auch das leere Felsengrab, in dem Jesus bestattet worden war. Am Ende steht doch der Tod! Das Leben steht am Anfang? Nun sollte es umgekehrt sein, das Leben sollte am Ende die Oberhand gewinnen und alle Gewohnheiten, alle überlieferten Traditionen umstossen.
In unserer Welt scheinen sich derzeit viele Werte umzukehren, Macht wird ausgespielt und demonstriert. Gewalt ruft Gegengewalt hervor und die Eskalation steigt Stufe um Stufe.
Der Stärkere siegt, und der geht über Leichen.
Ich möchte mit der Osterbotschaft das Leben in den Blick nehmen und darauf vertrauen, dass es gewinnt. Nicht Gewalt, Sterben und Tod gewinnen, sondern das Leben.
Aus dem offenen Grab Jesu strahlte nach biblischen Erzählungen ein helles Licht. Die Tücher, in die der Leichnam eingewickelt war, lagen als stille Zeugen im Grab und schenkten denen, die sie fanden, Hoffnung, dass nicht der Tod am Ende steht.
Die Botschaft des diesjährigen Osterplakats ist klar: Das Leben, der Frieden, der umfassende «Shalom» siegt am Ende. Shalom: Er beinhaltet nach biblischem Verständnis umfassendes Wohlergehen, Ganzheit und Heilung an Leib und Seele.
Daran möchte ich festhalten, auch und gerade in der heutigen Welt. Ich möchte darauf vertrauen, dass das Osterereignis von damals auch in unsere heutigen Pläne und Haltungen hineinstrahlt und uns einen vertrauensvollen Blick auf’s Leben schenkt, das am Ende siegt.
Lebendige, vertrauensvolle und frohe Ostertage wünscht
Im Auftrag der reformierten Bezirkssynode Solothurn:
Dorothea Neubert, Pfarrerin in Aetingen-Mühledorf
Gestaltung, Bossard-Grafik, Lohn-Ammannsegg.