Odi im Herz und Konfetti im Bart – wenn Fasnacht und Taufe sich begegnen
Was passiert, wenn Fasnacht und Taufe aufeinandertreffen? Der Warm-up-Gottesdienst in der reformierten Kirche Derendingen zeigte am 8. Februar 2026, wie laut, farbig und zugleich berührend Kirche sein kann.
Janine Renggli,
Die Antwort liess nicht lange auf sich warten. Die reformierte Kirche Derendingen war fast bis auf den letzten Platz besetzt. Familien mit Kindern, Grosseltern und Fasnachtsbegeisterte jeden Alters füllten die Bänke. Es wurde gelacht, geklatscht und mitgelebt. Laut, farbig und zugleich berührend zeigte sich Kirche an diesem Abend als Ort der Gemeinschaft.
Den Auftakt gestaltete die Kinder-Guggenmusik Sprisseli. Mit Trommeln, Bläsern und viel Energie sorgten sie von Beginn weg für Bewegung. Einige Kinder schützten ihre Ohren mit bunten Ohrenschützern, andere wippten im Takt oder tanzten zwischen den Bänken. Pfarrer Samuel Stucki bezeichnete die Sprisseli als «Zündhölzli», die die Fasnacht entfachen. Das Publikum reagierte mit herzlichem Applaus – das Warm-up war gelungen.
Im Zentrum des Gottesdienstes stand die Taufe von Livia Fina. Das Taufkind war passend gekleidet im Outfit der Sprisseli. Umgeben von Familie, Musik und einer bunt und festlich geschmückten Kirche entstand ein Moment, der laut und leise zugleich war. Fasnachtsstimmung und kirchliches Ritual fanden hier selbstverständlich zusammen.
In seiner Ansprache stellte Pfarrer Samuel Stucki eine Verbindung zwischen Fasnacht und Taufe her. Beide seien ein Warm-up – die Fasnacht für die Stimmung, die Taufe für den Einstieg in die christliche Gemeinschaft. Gemeinsam seien auch Kostüme, Verbundenheit mit Familie und Freundschaften sowie das Motto «Odi im Herz und Konfetti im Bart», kirchlich gedeutet als Gott im Herzen und Licht auf dem Weg.
Einen entscheidenden Unterschied gebe es dennoch: «Bei der Taufe braucht es keine Maske», betonte Pfarrer Samuel Stucki. «Vor Gott zählt keine Verkleidung, sondern Echtheit.»
Nach der Taufe sorgten Seifenblasen für leuchtende Augen bei Gross und Klein. Die Guggenmusik Baukebieger und die Ämmekracher trugen die musikalische Stimmung weiter, bevor der Anlass beim anschliessenden Apéro ausklang. Gespräche und Begegnungen zeigten: Der Anlass machte eindrücklich sichtbar, wie Fasnacht und Taufe sich ergänzen und Gemeinschaft erlebbar wird. Wann haben Sie Kirche zuletzt so lebendig erlebt?