Samuel Stucki

Unser Präsident stellt sich vor

Th. Kopp (Foto: Samuel Stucki)

Der Präsident der Kirchgemeinde, Martin Joss, war am 16. Januar Sonntagsgast. Er stellte sich vor der Gemeinde im Gottesdienst den Fragen von Pfr. Samuel Stucki.
Samuel Stucki,




Martin, seit wann hast du in der reformierten Kirche Wasseramt Ehrenämter, und wie bist Du dazugekommen?

2013 habe ich zuerst im Pfarrkreis Luterbach angefangen mitzumachen, und wurde dann angefragt, ob ich nicht auch im Kirchgemeinderat mitmachen möchte. Dazugekommen bin ich im Gespräch mit Pfr. Rolf Weber, der 2013 meine Frau beerdigt hat. Der frühe Tod meiner Frau war ein harter Rückschlag, aber ich spürte, wie mir mein Glauben an Gott Kraft gab. Ich habe mit Rolf Weber ein langes Gespräch geführt, und ihm meine Erlebnisse mit Gott erzählt. Je mehr ich erzählte, umso mehr kam mir der Gedanke, dass ich auch einmal etwas zurückgeben könnte.

Was machst du sonst im Leben? Erzähle uns etwas über Deine Herkunft,
Deinen Beruf und Deine Person.

Ich bin der älteste von 3 Geschwistern, in Bern geboren und den Kindergarten besucht, bevor wir nach Utzenstorf gezügelt sin, wo ich meine ganze Schulzeit verbracht habe. Nach der Schule habe ich das KV angefangen, in Gerlafingen bei der von Roll. Das war mir aber irgendwie zu langweilig den ganzen Tag im Büro zu sitzen. So habe ich nach nicht ganz einem Jahr die Lehre abgebrochen, sehr zum Ärger meiner Eltern. Ich wollte weg von der gewohnten Umgebung, reisen, die Welt sehen. Dazu fehlte mir allerdings damals das Geld, also überlegte ich, wie ich reisen und dazwischen wieder Geld verdienen könnte. Ich wollte nach Amerika, ein Wunsch, den wohl viele hatten zu jener Zeit. Da kam mir die Idee, ich könnte ja auf einem Schiff arbeiten und so nach Amerika gelangen. Geld verdienen und «gratis» reisen, das war die Lösung. Also habe ich angefangen mich zu informieren, wie ich zu einem Job auf einem Schiff kommen könnte. Damals, Mitte siebziger Jahre, gab es noch kein Internet. Ich suchte in den Telefonbüchern der Telefonkabinen nach Schifffahrtgesellschaften und hatte Glück (oder Gottes Hilfe) dass ich gleich bei der ersten Nummer ein paar wichtige Informationen erhielt. Ich erhielt die Nummer einer Hochseereederei mit Sitz in Zürich, und habe dort angerufen. Ein paar Tage später erhielt ich Unterlagen und einen Vertrag, der auch von meinem Vater unterschrieben werden musste, da ich erst 17 war. (damals war man erst mit 20 volljährig)
3 Wochen später habe ich in Bremerhaven angeheuert, um dann 7 Monate später in Hamburg wieder von Bord zu gehen und in die Schweiz zurückzukehren. Mir wurde auf der Reise klar, dass ich zuerst einen Beruf erlernen wollte, und dann wieder auf See gehen würde.
So nach dem Sprichwort «manchmal kommt es anders, und öfter als man denkt» habe ich nie mehr auf Hochsee angeheuert.
Ich habe dann Heizungsmonteur gelernt und gleich noch die Zusatzlehre als Heizungszeichner angehängt. Mit 41 habe ich dann noch die Ausbildung zum Lokführer gemacht, und arbeite heute immer noch als Lokführer.

In der Lesung war von «neu geboren werden» die Rede (Johannes 3).
Gab es ein prägendes Erlebnis mit der Kirche und dem Glauben in Deinem Leben? Als Kind, Jugendlicher, Erwachsener?

Zu Hause haben wir immer gebetet, sei es vor den Mahlzeiten, als auch abends vor dem Schlafen. Wir haben auch die Sonntagsschule besucht, und meine Grossmutter aus dem Berner Oberland, bei der ich oft in den Ferien war, hat mir den Glauben sehr nahe gelegt. «Pass uuf was machsch, der lieb Gott gseht alles» habe ich oft gehört.
Das wirst du jetzt nicht gerne hören… Mit 20 habe ich mich von der Kirche distanziert, wohlverstanden von der Kirche als Institution, nicht vom Glauben. Ich konnte mit den Predigten nichts anfangen. Meine Gespräche mit Gott konnte ich auch ohne Kirche und ohne Pfarrer führen. Ich hatte nächtelange Diskussionen mit Freunden über Gott und die Welt, das Universum und das ewige Leben. Manchmal gab es intensive, tiefgründige Gespräche, manchmal wurde ich auch verpönt. Mir war das egal.
Als «neu geboren werden» könnte ich diesem Kontext vielleicht das Jahr 2013 nehmen, als ich mich mit der Institution Kirche wieder versöhnt habe, und entschied aktiv mitzumachen und mich zu engagieren.

Wie hat Dein Umfeld darauf reagiert?

Das war interessant. Es gab plötzlich sehr interessante Gespräche mit Leuten, von denen man nicht erwartet hätte, dass ihnen Religion/Glauben etwas bedeuten könnte. Einige fanden, dass ein Engagement in der Kirche eher für ältere Menschen sei, und ich mich besser weiter in der Politik engagieren würde.

Wie gehst Du dein Amt als Präsident an? Welche Schwerpunkte legst du?

Ich bin ja nun bereits im 5. Jahr als Präsident, was so eigentlich nicht vorgesehen war.
Das Amt als Präsident der Kirchgemeinde nehme ich sehr ernst. Die Schwerpunkte die ich legen möchte, betreffen hauptsächlich die Anpassung an die heutige Zeit, die heutigen Bedürfnisse. Die Kirche ist eine traditionelle Institution mit einer über 2000-jährigen Geschichte. Hier etwas verändern zu wollen braucht Kraft und Ausdauer, dazu Leute die gleich oder ähnlich denken, und bereit sind mitzuziehen. Ein ganz wichtiges Thema ist dabei die Zahl der Mitglieder, welche kontinuierlich sinkt. Wir müssen herausfinden, was die Menschen von der Kirche erwarten, welche Dienstleistungen sie beanspruchen. Unterschiedliche Gottesdienstzeiten könnten auch ein Thema sein. Mit den heutigen Mobilitätsmöglichkeiten kann man an einem verregneten Sonntag auch mal ins sonnige Tessin fahren, dort Mittagessen und nach einem Spaziergang wieder in den Zug steigen und nach Hause fahren. Da liegt der Gottesdienst am Sonntagmorgen nicht mehr drin, aber vielleicht am Freitag- oder Samstagabend.

Welche Arbeiten sind eher schwierig?

Wie ich schon erwähnte, sind Veränderungen schwer umzusetzen. Die Zusammenarbeit zwischen dem Kirchgemeinderat, also der strategischen, weltlichen Seite, und dem Pfarrteam, der operativen, geistlichen Seite, ist oft eine grosse Herausforderung.

Wo schlägt Dein Herz für die Kirche am höchsten?

Die Arbeit mit den Menschen. Es ist dabei sehr wichtig, dass alle Altersgruppen angesprochen werden. Die Seelsorger gehen regelmässig in die Altersheime, während die Jugend nach der Konfirmation meist bis zur Hochzeit nicht mehr speziell angesprochen wird. Hier haben wir seit 2019 angefangen die Jugendarbeit aufzubauen. Diese Aufbauarbeit zeigt sich bisher als sehr erfolgreich.

Wann bist Du stolz, zur Kirche zu gehören? Beschreibe diese Momente.

Das Wort Stolz löst bei mir immer ein wenig ein mulmiges Gefühl aus. Ich würde auch nicht sagen ich sei stolz, sondern ich freue mich zur Kirche zu gehören. Ich freue mich besonders, wenn ich eine Trauung in der Kirche sehe, oder eine Taufe. Das sind Momente, bei denen sich Menschen zu Gott bekennen. Sie wollen ihr Kind unter dem Schutz Gottes aufwachsen lassen, bei der Trauung wollen sie ihre Hochzeit von Gott bezeugen und gesegnet wissen.

Wo siehst Du die besonderen Herausforderungen für Dich, als Präsident?
Für die Kirchgemeinde?

Das Amt des Präsidenten ist sehr zeitintensiv. Es braucht enorme Ressourcen, und viel Verständnis der nahestehenden Personen, da neben einem 100% Job, die meiste freie Zeit für das Amt investiert werden muss.
Für die Kirchgemeinde wird die Herausforderung der nächsten Jahre sicher die strategische Ausrichtung sein. Wie gehen wir mit den schwindenden Mitgliederzahlen um? Wie lange ist das Konstrukt Kirchgemeinde finanziell noch tragbar?

Welche positiven Perspektiven siehst Du bezüglich der reformierten Kirche?

Peter Bichsel sagte einmal «Wer positiv denkt, der denkt nicht.»
Ich bin grundsätzlich ein positivdenkender Mensch, die positiven Perspektiven, für die reformierte Kirche und auch für die Kirchgemeinde, sehe ich in der Veränderung, der Modernisierung. Wenn es die Kirche nicht schafft sich der modernen Welt anzugleichen, sehe ich eine düstere Zukunft.

Kommen wir zum 125-Jahr-Jubiläum: Wie bist Du als Präsident das Ganze angegangen?

Das Jubiläum soll ein Fest der ganzen Kirchgemeinde werden. Als Präsident bin ich Teil des Ganzen, und habe keine besondere Stellung. Ursprünglich hatte ich die Idee, das jubiläum und den Bezirkskirchentag an einem Wochenende über 3 Tage zu organisieren. Das OK hat sich aber entschieden, das Jubiläum über das ganze Jahr zu verteilen und zu feiern.

Wie sieht das Jubiläumsjahr konkret aus?

Es gibt ein OK Jubiläum, das sich um die Organisation kümmert und die Pfarrkreise organisieren diverse Aktivitäten, welche über das ganz Jubiläumsjahr verteilt sind. Auf der Homepage www.ref-wasseramt.ch findet man auch den Link zum Jubiläums-Flyer mit allen Aktivitäten.

Was wünscht Du dem Kirchenkreis Derendingen?
Der Pfarrkreis, oder Kirchenkreis Derendingen ist zur Zeit im Umbruch und Neuaufbau. Du hattest einen schweren Einstieg im März 2020, mit dem Start des Lockdowns. Trotzdem konntet ihr bereits sehr viel Aufbauarbeit leisten, und erfolgreich Veranstaltungen organisieren und durchführen. Ich wünsche dem Pfarrkreis, dass Menschen aus Derendingen eure Arbeit unterstützen, und beim einen oder anderen Projekt mithelfen werden. Die Arbeit im Pfarrkreisrat ist interessant, und man kann aktiv das Gemeindeleben mitgestalten.

Derendingen, den 5. Januar 2022, Samuel Stucki, Pfr.
Bereitgestellt: 27.01.2022     Besuche: 69 Monat 
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