Der Elefant im Raum
Ich denke, heute müssen wir nicht nur den Elefanten im Raum, sondern die ganze Herde würdigen.
Carlos Ferrer,
Nicht, weil Elefanten so gefährliche Tiere sind. Sie sind es, wenn man sie bedroht. Sondern weil sie gross sind. Mein damals 2 jähriger Sohn sah einige im Karlsruher Stadtgarten, undzeigte ganz nach oben.
Wir haben als Gesellschaft uns mit dem Brand in Crans-Montana zu beschäftigen. Ich höre schon, wie die Betroffenheit in Schuldzuweisung übergeht, genau wie es einmal Elisabeth Kübler-Ross beschrieb, als sie von den vier oder fünf Etappen der Trauer redete. Das hilft uns vielleicht jetzt zu verstehen, wo wir als Menschen, nah oder fern der Ereignisse sind. Aber: Heutzutage redet man nicht mehr über die Etappen der Trauer sondern von den Aufgaben der Trauer. Unter ihnen ist es Meister der Situation zu werden, dazu gehört ordentliche Kommunikation, verantwortungsvolle und klare. Gerechtigkeit den Betroffenen zu ermöglichen. Neue Prozedere und Gesetze zu verabschieden um solchen vorzukommen.
Dann der Verlust, der liberalen Weltordnung nach 1948, wo es nicht mehr möglich sein sollte, für mächtige Staaten, schwächere anzugreifen und Krieg zu führen. Jetzt haben wir gleich drei, die in unserer nordwestlichen Kultur laufen, Russland gegen Ukraine, Israel gegen Palästinenser und USA gegen Venezuela und bald auch andere, weiss der Kuckuck wer, etwa Dänemark wegen Grönland oder Canada wegen Beleidigungen?
Dies soll uns wach rütteln, denn die Lage vertuscht, dass wir anderswo an die Grenzen kommen. Von der Umwelt und Migrationsgerechtigkeit, von der Armut auch und besonders in der Schweiz. Von der Verrohung unseres Umgangs miteinander, weil wir als freie Bürgerinnen und Bürger ja bekanntlich sagen dürfen was wir wollen, so gescheit oder dumm es auch sein mag. Auch wenn es unsere Nachbaren beleidigt, vielleicht besonders wenn.
Auf jeden Fall, wir als Gesellschaft und wir als Kulturmittragende müssen uns die Elefanten ansehen, die sich in unserer Mitte befinden. Was machen? Behutsam und bedacht uns dem Gipfel nähern. Bloss nicht die Augen zudrücken oder den Kopf in den Sand stecken. Das hilft am Hang nicht weiter. Dann werden wir vom Wetter besiegt.
Ich schlage vor, wir machen uns schlau. Suchen gute Informationen, wo sie zu finden sind. Ich schlage vor, wir schauen, wo für die Solidarität unter den Menschen und Nationen gearbeitet wird. Die unterstützen. Ich schlage vor, wir setzen uns für den Frieden ein. Für die Gerechtigkeit. Suchen nach Vereinen und Institutionen, die solches fördern. Und unterstützen sie.
Soviel zu den Elefanten, die sich unter uns bewegen. Die sind nicht mit Hauruck zu bezwingen, sondern nur ein Stückchen nach dem anderen. Kauen, schlucken, wiederholen. Friede, Gerechtigkeit und Bedachtsamkeit sind Daueraufgaben.